Ich mag diese Mischung aus Vorfreude und leiser Nervosität, wenn ich die erste Speicherkarte einlege. Eröffnungsspiel. Später das Finale. Dazwischen Tage, die zu Nächten werden und wieder zu Tagen. Vierzehn Spiele in einem Monat. Klingt nach Zahlenspielerei. Fühlt sich nach Leben an.

Zürich, Basel, Bern, St. Gallen, Genf. Jede Stadt mit eigenem Puls. Andere Laufwege, andere Tunnelgeräusche, andere Stadionschatten am späten Nachmittag. In Zürich riecht der Rasen für mich immer einen Tick süsser. In Basel hallt der Applaus kantiger. Bern trägt die Ruhe einer Hauptstadt, selbst wenn nichts ruhig ist. St. Gallen hat dieses Licht, das Gesichter klarer zeichnet. Und Genf? Weite, Wasser, ein Wind, der Bilder sauberer macht, als er müsste. Vielleicht bilde ich mir das ein. Vielleicht nicht. Macht nichts.
Gänsehaut.
Ich weiss, das sagt man schnell. Hier war sie hartnäckig. Beim ersten Pfiff. Beim leisen Moment vor einem Penalty, in dem tausende Menschen gleichzeitig einatmen. Beim Blick auf die Ersatzbank, wenn sich eine Spielerin im Trikot festzupft und für eine Sekunde alles von ihr abfällt, bis nur noch Konzentration bleibt. Es sind kleine Szenen, die hängen bleiben, nicht die grossen Sätze.
Organisatorisch war es stark. Top professionell, für uns Fotografen wurde gesorgt. Klare Wege, klare Zonen, eine Working Area, die den Namen verdient. Freundliche Leute, die nicht nur Regeln runterbeten, sondern helfen. Klingt banal. Ist in so einer Taktung Gold wert. Ich denke, man merkt erst hinter der Kamera, wie sehr diese Details Bilder ermöglichen.
Zum Wetter. Ich hatte Glück. Nie Regen an meinen Spielen, ausser am Finale. Ein ironischer Schlusspunkt, fast wie bestellt. Regen macht vieles schwieriger, aber er macht auch Kontraste schärfer. Tropfen in der Luft, die im Flutlicht hängen bleiben. Ein bisschen Drama, ohne es zu übertreiben.
Vierzehn Spiele sind körperlich. Schultern, Rücken, Augen. Und doch gehe ich jedes Mal aufs Spielfeld wie jemand, der zum ersten Mal darf. Das Privileg bleibt. Ich fühle mich wirklich privilegiert, an einem solchen Anlass fotografieren zu dürfen. Nicht als Floskel. Als tägliche Erinnerung daran, dass Nähe zu Momenten nie selbstverständlich ist.
Ein Dank gehört ausgesprochen. An Canon Switzerland, genauer an den Canon Professional Service CPS. Leihgeräte, auch über längere Zeit, zuverlässig und rechtzeitig. Technik ist nie die Story, aber sie ist die Brücke dorthin. Wenn die Brücke hält, denkt man nicht an sie. Das ist das grösste Kompliment.

Nebenbei, ein kleines Herzensding: seventy2frames.com. Ein Nebenprojekt, das hier plötzlich sehr nah wurde. Ich habe das Finale auch analog fotografiert, teilweise hinter den Kulissen, und zu jedem Bild einen Text geschrieben. Langsamer atmen. Abdrücken, ohne sofort zu wissen, was es geworden ist. Ich glaube, genau diese Verzögerung schärft den Blick. Digital ist brillant, präzise, schnell. Analog zwingt mich, zu warten und mir zwischen Aufnahme und Ergebnis etwas vorzustellen. Dieser Zwischenraum hat mir beim Finale gutgetan. Er erdet.

Was bleibt nach vier Wochen. Bilder, klar. Aber auch eine Art innerer Takt. Ein Monat, der die Routine durchrüttelt. Viele kleine Begegnungen, die man nicht planen kann. Eine Wolke, die im richtigen Moment die Sonne verdeckt. Eine Ordnerin, die lacht, weil ich wieder den falschen Gang nehme. Ein kurzer Gruss zwischen Kolleginnen und Kollegen, der mehr sagt als Small Talk. So etwas kann man nicht programmieren.
War alles perfekt. Nein. Muss es auch nicht. Perfekt ist glatt, und glatt rutscht man ab. Mir reicht echt. Und echt war es.
Danke an alle, die das möglich gemacht haben. Danke an die Teams, die sich öffnen, auch wenn sie müssen. Danke an die Kolleginnen und Kollegen am Spielfeldrand, die teilen, wenn es eng wird. Danke an Canon Switzerland, CPS, für das Vertrauen und die Leihgeräte. Und danke an die paar Regentropfen im Finale, die mich gezwungen haben, noch einmal genauer hinzusehen.
Vielleicht ist das die richtige Schlussnote. Nicht der grosse Schluss, eher ein offenes Ende. Die Saison läuft weiter. Der Blick bleibt wach. Und irgendwo wartet schon das nächste Flutlicht.